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Premiere in der Werkschule Milkau - der erste Abschlussjahrgang!

06. Juli 2015 um 21:21

Die Evangelische Werkschule Milkau, eine einzügige Oberschule auf dem Lande hat sich besonders ausgerichtet. Anlässlich des ersten Abschlussjahrganges befragten wir

Jürgen Haferkorn (H)

Lehrer für das Fach Arbeitswelt und Klassenlehrer der Abschlussklasse

R: Herr Haferkorn, wie lange sind sie schon an der Werkschule tätig?

H: Vor vier Jahren begann ich hier zu arbeiten.

R: Sicher können Sie besonders gut erklären, was das „Werk-„ im Schulnamen bedeutet.

H: Werkschule bedeutet für mich insbesondere die Betonung von handwerklicher Ausbildung. Gerade hier in der ländlichen Region ist Handwerk tief verwurzelt und das soll auch so bleiben. Deshalb braucht es neben allem Drängen in akademische Berufe auch viele junge Menschen, die Werke mit der Hände Arbeit von Herzen gern tun. Deshalb beginnt die Werkschule zusätzlich zum sonstigen Lehrplan schon ab der 7. Klasse mit einer selbstbewussten qualifizierten Vermittlung von handwerklichen Kenntnissen. Dazu gehören für mich auch Berufe, die Arbeit am Menschen leisten, z.B. Pflegeberufe oder Erzieher.

R: Sie waren ja an der Umsetzung dieses besonderen Konzeptes maßgeblich beteiligt. War das immer leicht?

H: Leicht war es nicht immer. Insbesondere der frühzeitige Kontakt mit der Arbeitswelt brachte den einen oder anderen Konflikt. Geduld war da auf allen Seiten nötig, insbesondere wenn Schüler feststellten, dass eine Tätigkeit in einem Gewerk gar nicht den bisherigen Vorstellungen entsprach.

R: Nach der Neugründung im Jahr 2009 verlässt die erste 10. Klasse die Schule. Mit welchen Gefühlen sehen Sie als Klassenlehrer die Schüler ins Arbeitsleben gehen?

H: Ich bin froh und auch stolz über meine Klasse. Sie gehen optimistisch und mit guten Vorstellungen los. Große Entwicklungen haben sie gemacht, seit ich sie kenne.

R: Während wir das Interview führen, laufen die letzten mündlichen Prüfungen. Wie sieht es aus? Muss jemand um seinen Abschluss bangen?

H: Wir freuen uns mit der Klasse, dass jeder mit einem Abschluss ins Berufsleben starten kann.

R: Wissen denn unsere Absolventen schon, was sie wollen und wie viel Prozent haben zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Lehrstelle sicher? H: Durch die familiäre Atmosphäre an unserer Schule könnte ich viel über das „Fiebern“ um eine Lehrstelle erzählen. Jetzt ist es aber wohl so weit, dass alle einen sicheren Platz haben. Dazu haben wohl auch die intensiven Kontakte durch die regelmäßigen Betriebspraktika beigetragen.

R: Welche Berufe werden denn konkret angestrebt. Hat die Werksschule eine besondere Prägung ausgeübt?

H: Das kann ich nicht feststellen, dass irgendeine Richtung überwiegt. Die ersten Absolventen schlagen, z. B. folgende Berufsrichtungen ein: Mediengestalter, Erzieher, Mechatroniker, Sozialassistent, Fischer, Bäcker u.a.m. Einer strebt sogar an, an einer weiterführenden Schule das Abitur abzulegen.

R: Nach sechs Jahren sollte die Werkschule selbst aus den Kinderschuhen entwachsen. Was ist aus Ihrer Sicht aber wichtig für die weitere Entwicklung der Schule?

H: Wenn die finanzielle Situation der freien Schulen durch das neue Schulgesetz mal verbessert, sollte auch in der internen handwerklichen Ausbildung noch intensiver gearbeitet werden können. Dann könnten durch speziellen Personaleinsatz auch anspruchsvollere handwerkliche Fähigkeiten in der schulischen Vermittlung Platz finden.

R: Herr Haferkorn, danke für das Gespräch, eine gute Sommerpause und alles Gute für den Start in das neue Schuljahr.

Das Gespräch führte Hartwig Reichel (R) , Kaufmännisch Technischer Leiter an der Werkschule Milkau.