Aktuelles & Neuigkeiten

Ein Blick hinter die Kulissen

14. Dezember 2015 um 20:49

Nachdem unser Adventskonzer ein voller Erfolg war, wollen wir nun eine der Organisatorinnen selbst zu Wort kommen lassen :

1. Frau Weidmüller, können Sie kurz Ihren Tätigkeitsbereich an der Evangelischen Werkschule Milkau beschreiben?

Ich bin seit einigen Jahren an der Evangelischen Werkschule Milkau als Integrationsfachkraft, Ergotherapeutin und Leiterin verschiedener Ganztagsangebote tätig. In diesem Bereich betreue ich Schüler mit Lernschwächen, Wahrnehmungsstörungen, motorischen Beeinträchtigungen und sozialen Problemen. Seit der Gründung des Chores im April 2013 bin ich ebenfalls als Chorleiterin an dieser Schule tätig.

2. Ihnen war es besonders wichtig, ein Adventskonzert zu veranstalten. Warum? Was bedeutet Adventszeit für Sie persönlich?

Der Advent ist für mich persönlich eine Zeit, in der Stress und Unruhe an jeder Ecke des Lebens zu finden ist. Ich finde, dass man sich nicht nur zu Weihnachten, sondern auch in der Zeit davor auf das Wichtigste im eigenen Leben besinnen sollte um einen Gegenpol zu schaffen. Das ist bei mir die Musik und die durch sie hervorgerufenen innere Ausgeglichenheit. Diese Erfahrungen, was Musik in einem bewegen kann, wollte ich mit allen Mitwirkenden teilen. Außerdem ist die Vorweihnachtszeit in Verbindung mit Musik auch die richtige Gelegenheit, um sich zusammen zu finden und gemeinsam die Werte der Schule nach außen zu tragen, so dass andere einen Einblick erhalten können.

3. Was lieben Sie an der Musik?

Musik bedeutet für mich Leben und Freiheit. Wer musiziert, egal ob er singt oder ein Instrument spielt, hat die Freiheit etwas musikalisch zu gestalten, so wie er es möchte. Durch Musik kann ich Emotionen ausdrücken, auch wenn einem manchmal die eigenen Worte fehlen. Sie bewegt so viel in uns. Musik lässt einen neue Kraft und Hoffnung schöpfen, wenn man am Boden ist. Sie kann einem aber auch gleichzeitig zu neuen Höhen beflügeln. Mir ist wichtig, dass junge Menschen dieses Erlebnis der Freiheit und der Emotionen durch Musik auch erleben und ihren eigenen Weg darin finden können.

4. Wie motivieren Sie die Schüler aus sich rauszugehen und etwas von sich zu zeigen?

Zunächst einmal ist das aller wichtigste an dieser Stelle absolute Ehrlichkeit den Schülern gegenüber und es ist Hingabe zur Musik notwendig. Ohne Ehrlichkeit würde ich mich selbst unglaubwürdig machen und die Schüler würden mir nicht mehr vertrauen. Auch wenn es manchmal schmerzt, weil zum Beispiel ein Schüler unbedingt ein bestimmtes Lied singen möchte, es aber noch nicht so richtig funktionieren will oder es stimmlich noch nicht reicht, muss man ehrlich sein. Das schätzen meine Schüler und dadurch vertrauen sie mir und gewinnen an Selbstsicherheit. Jeder Solist, jedes Chormitglied macht das alles freiwillig und aus Spaß an der Musik, da brauche ich nicht viel Arbeit zu leisten, das kommt dann von allein.

5. Beim Konzert zeigten auch Neu-Solisten, was sie können. Wie finden Sie Talente und die Stärken jedes Einzelnen heraus?

Aufgrund der über 20 Jahre Bühnenerfahrung hat man ein Näschen dafür. Mit den Solisten arbeite ich dann nicht nur im Chor, sondern auch in Einzelstunden. Ich muss auch sagen, dass die meisten der Chormitglieder ihr Talent recht gut einschätzen können. Nicht jeder ist zum Solisten geboren und nicht jeder kann in einem Chor eine Stütze sein. Das eine bedingt nicht das andere.

6. Unter unseren Schülern gibt es auch Integrativ-Schüler. Waren auch Sie bei dem Konzert beteiligt?

Ja, mehrere Chormitglieder sind Integrativschüler und genau das macht das besondere aus. In unserem Chor ist es egal, ob jemand nicht gut rechnen oder lange ruhig sitzen kann. Jeder findet seinen Weg und wird von dem anderen akzeptiert. Außerdem interessiert es doch das Publikum nicht, welchen Background jedes einzelne Chormitglied hat, sie alle bilden eine Einheit und überzeugen durch Leidenschaft zur Musik und Kunst.

7. Viele Zuschauer waren begeistert, dass sich auch Lehrerinnen am Programm beteiligten. Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schülern an so einem Projekt?

Tatsächlich haben sich nach dem Konzert sogar noch weitere Lehrer bei mir gemeldet, die unbedingt bei unserem Chor mitmachen wollen. Lehrer und Schüler sind im Chor absolut gleichrangig und arbeiten reibungslos und tolerant miteinander. Der Vorteil für mich als Chorleiter ist natürlich auch, dass immer ein Erwachsener beim Warten während eines Konzertes mit dabei ist, wenn ich gerade zum Beispiel wegen einer Moderation nicht da bin. Ich habe auch oft den Eindruck, dass die Schüler stolz darauf sind, mit ihren Biologie-oder Mathelehrern Seite an Seite auf einer Bühne zu stehen und gemeinsam zu singen.

8. Was war die Inspiration „Hoffnung“ als Motto des diesjährigen Adventskonzerts zu wählen?

Es passiert auf der Welt so viel Schreckliches und leider muss man dafür oftmals nicht mal mehr in die Ferne schauen. Ich persönlich sehe Hoffnung als die Kraft die uns im Leben vorantreibt. Nicht umsonst gehört sie zu den drei göttlichen Tugenden im christlichen Glauben. Ohne Hoffnung wäre die Welt noch düsterer und trister. Ich wollte gern den Zuschauern vermitteln, dass egal was passiert einem immer die Hoffnung bleibt und sie diese nicht verlieren sollen. Und ich hoffe, dass ich vielleicht auch jemanden dazu bringen konnte, anderen Hoffnung zu schenken. Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesus und er ist die Verkörperung von Hoffnung.

9. Welche Traditionen pflegen Sie als Familie in der Weihnachtszeit?

Ich bin momentan in der glücklichen Situation, durch die Geburt meiner Tochter, die Traditionen meines Mannes und von mir völlig neu zu überdenken und neue Traditionen entstehen zu lassen, die ich meiner Tochter mitgeben möchte. Wichtig ist uns Ruhe und Besinnlichkeit, sowie das Gedenken an die Menschen, die nicht mehr bei uns sein können. Natürlich finden auch die "alten" Traditionen, wie Weihnachtsbaum schlagen gehen, gemeinsam den Baum anzuputzen und so vieles mehr bei uns ihr zu Hause.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Römer 15:13